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The Dark Dawn

Hier ist er also, mein erster Schritt in die Welt der Blogger, ein wenig unbeholfen vielleicht, aber mit etwas Glück ändert sich das ja noch

Hm, "Terrotales", ein wenig pathetisch und dickaufgetragen düster ist es schon, dazu dieses füüüürchterlich kühle "Rauschen"-Design ... aber das macht nichts! Meine Leidenschaft hängt nun mal am Düsteren, am Pathetischen, am leicht Überzeichneten, am Morbiden manchmal, am Unheimlichen und am Verstörenden - auch wenn ich nie völlig im Zynischen versinken will.

Ach ja, Alf Stiegler mein Name und ich werde hier hin und wieder versuchen den einen oder anderen (hoffentlich) nützlichen Kommentar abzugeben, vor allem über die Freuden und Leiden des Schreibens von Phantastik-Geschichten. Dazu vielleicht noch ein paar Buch- und Filmtipps, ein paar Lästereien über Geschichten-Mainstream und vielleicht die eine oder andere Musikempfehlung, wenn die auch zugegebenermaßen eher die etwas hartgesottenere Zielgruppe interessieren dürften.

Noch befindet sich alles im Aufbau, im Profil wird natürlich noch den Link zu meiner HP geben, aber da die ohnehin demnächst umziehen muss, will ich erst abwarten, bis ich Nägel mit Köpfen anbieten kann.

Na ja, aber ganz unverrichteter Dinge möchte ich doch niemanden fortschicken, der sich so geduldig mein pathetisches Gelaber über "Düsternis" und "Morbides" angehört hat; deswegen hier der Link zu meinem kostenlosen Hörbuch "WetGrave".

www.hypcon.de/Hoerbuch.html

Aber vorsicht. Ziemlich düster und morbide, das Ganze

Viel Spaß!

18.8.07 13:12


Das Geschichtennetz

Stephen King behauptet, dass man eine Geschichte spontan niederschreiben müsse, um ihr nicht alle natürliche Lebendigkeit zu nehmen, um sie nicht in ein Korsett aus Konstruktionen zu zwängen, um sie als das atmende Lebewesen zu ehren, das sie ist, um sich vor ihr auf die Knie zu werfen und zu rufen: Du, liebe Geschichte, bist die Königin und ich, unwürdiger Autor, bin nur Dein Gefäß – darum fließe aus mir heraus und ich werde nicht den Frevel begehen, Dir in die Augen zu sehen.

Orson Scott Card hingegen ist ein vehementer Vertreter einer anderen Ansicht: Seiner Meinung nach muss eine Geschichte reifen, ihr Autor soll zu einem „Ideen-Netz“ werden und aus den Erfahrungen des Alltags ständig Inspirationen abschöpfen, mit denen das Skelett einer Story ausgekleidet werden kann; denn nur mit dieser liebevollen Kleinarbeit mag am Ende der Ausruf entstehen: Es lebt!

Nun, beide Autoren sind Könner ihres Fachs und beweisen damit etwas, das einzig als Schreibregel in den Fels gehauen werden sollte: Jeder Autor hat seinen eigenen Weg, eine Geschichte zu erschaffen, jeder Autor braucht auch einen eigenen Weg. (Jede Autorin natürlich auch und es wird mir hoffentlich verziehen, dass ich zu faul bin das jedes Mal zu betonen )

Jedenfalls: ich bin überzeugter Vertreter der „Card-Schule“ und erlebe beinahe jeden Tag aufs neue wie effektiv das „Geschichtennetz“ arbeitet. Ideen sind nämlich wie Hummeln, während der Planungsphase schwirren sie einem ständig um die Ohren: Hier könnte man es so machen, dann müsste man aber dort eine kleine Variation vornehmen, die sich wiederum auf das auswirkt, was Figur X einen weiteren Charakterzug verleihen würde ...

Das ist gut! Es belebt den Prozess! Aber durch das ständige Herumgeschwirre verliert man das aus dem Blick, was schon längst steht;manchmal ist man so begeistert von allem Neuen, dass man alte Ideen am liebsten über den Haufen werfen würde.

Nach drei Tagen Pause sieht die Sache allerdings wieder anders aus; überrascht stellt man fest, wie viele der Hummeln verendet sind, erschlagen von der Logik des bereits stehenden Geschichtengerüsts. Überrascht ist man, und erleichtert: die Ideen nämlich, die nicht zerquetscht wurden, haben plötzlich ihren Platz gefunden und der Autor erkennt: Das bereits stehende Gerüst braucht man ja gar nicht so radikal zu verändern um die neuen Ideen unterzubringen! Viel mehr zeigt sich oft, dass es die neuen Ideen sind, die man ein wenig verändern muss, damit sie Lücken im Gerüst auffüllen, dass sie sich dort geschmeidig über scharfe Grate legen, wo vorhandene Ideen nur provisorisch zusammengehen.

Das alles ist natürlich vollkommen abstrakt und höchstwahrscheinlich schwer vorstellbar, wenn man diese Erfahrung noch nicht selbst gemacht hat. Ich werde mal versuchen ein Beispiel zu erfinden.

Man stelle sich eine Science Fiction Geschichte vor. Mitten in der Planung kommt man plötzlich auf die Idee, dass es nicht schlecht wäre, wenn der strahlende Held eine Macke hätte, etwas das ihn behindert. Genau! Unser heldenhaften Raumpilot hat quälende Angst vor dem Wasser! Jetzt wäre es natürlich schön, wenn diese Figur, nennen wir sie Hero McMusculous, einen Grund für diese Angst hat. Und schon haben wir einen: McMusculous ist während seiner Raumkadettenausbildung mit dem Trainingsschiff in einen Eissee gestürzt und konnte als einziger lebend geborgen werden. Jetzt wäre es natürlich toll, wenn diese Angst vor dem Wasser einmal zu einem entscheidenden Konflikt führt, zu einem Spannungsmoment, in dem Hero McMusculous seine Ängste bewältigen muss - um jemandem das Leben zu retten, vielleicht!

Nun ist es natürlich wichtig, dass diese Information unter die Leser gebracht wird, dass sie gesät wird. Der Autor wird sich also hinsetzen und die Hummeln werden ihm um die Ohren kreisen: Man könnte diese Information zum Beispiel während eines Gespräches einbringen.

Erster Versuch. Ziel: Informationsvermittlung via Dialog.

Ein Auftrag ist erfüllt. Die CoPilotin, Lasziva Prettyface, könnte vorschlagen schwimmen zu gehen, da sie nach dem Einsatz auf dem Wüstenplaneten völlig ausgetrocknet sei, allem Spice zum Trotz. McMusculous aber weigert sich. Als die CoPilotin nach dem Grund fragt, erzählt Hero von seiner verhängnisvollen Notwasserung.

In diesem Fall wurde die Idee in einem Dialog untergebracht. Sie hat ihren Zweck erfüllt, seine Angst vor dem Wasser wurde gesät, damit sie später in einem spannenden Konflikt geerntet werden kann. Alles bestens, oder?

Nicht ganz. Dem Autor wird irgendwann aufgehen, dass diese Variante nicht unbedingt elegant ist: Erstens wird diese biographische Information erzählt, wo man gerade derartig Entscheidendes in Szenen „zeigen“ sollte, und zweitens ist alles zu direkt; es klingt, als würde diese kleine Szene nur stattfinden, um den Leser zu informieren.

Also gut, zweiter Versuch. Ziel: Raus mit Erzähltem und allzu Direktem!

Lasziva drückt Hero ihre verschwitzten Brüste an den Arm (Heißaaa, jauchzt der zeigende Autor!), und säuselt ihm ins Ohr: „Lass uns zu Gischto Fünf fliegen, das Wasserrutschengebirge soll sehr angenehm sein, um diese Jahreszeit.“
McMusculous springt unvermittelt auf, flüchtet achtern und stützt sich mit dem Kopf auf das Bullauge, wo ihn das Blau des Alls in seine Vergangenheit zerrt...

Hier kann der Autor dann in einer wunderbar drastischen Rückblende zeigen, wie der milchgesichtige Musculous seine Kameraden ertrinken sah, während er von der kräftigen Faust seines Ausbilders aus dem Wrack gepflückt wurde.

Wunderbar! Das Erzählte ist verschwunden, es wurde viel mehr gezeigt und alles geschah viel indirekter als in der ersten Version! Da kann man doch nicht meckern, oder?

Leider doch. Irgendwann wird der Autor auf diese Stelle seines Plotplanes zurückkommen und ihm wird wiederum eine Weisheit aus dem Schreibratgeber auf die Schulter tippen: Rückblende = erzählerische Krücke. Außerdem: Jeder erfahrene Leser wird sich doch denken, dass diese Wasserangst einmal handlungsrelevant werden wird, wenn sie schon eine so drastische Szene spendiert bekommt! Spätestens wenn fünf Seiten später die Entführung der Fischmenschenparade aufzuklären ist, wird sich der Leser die Beule reiben, die ihm dieser erzähltechnische Holzhammer verpasst hat ... Nein, elegant geht anders.

Na dann ran an den dritten Versuch; Ziel: Raus mit Krücken und Holzhämmern!

Hier nämlich fängt die Kür an, und der Spaß: Man durchkämmt noch einmal seinen kompletten Plotplan und sucht nach Stellen, wo man Heros Wasserangst andeuten kann. Vielleicht schon in der zweiten Szene? Hero lernt seine neue CoPilotin kennen: Lasziva Prettyface. Eigentlich hatte man in dieser Szene ja nur vor, ein wenig Figureneinführung zu betreiben: Hero ist ein erfahrener Held, Lasziva eine ungezähmte Kampfkatze. Schon immer hat gestört, dass diese erste Szene allzu reibungslos vonstatten geht. Aber jetzt haben wir ja Konfliktpotenzial!

Lasziva: „Lass uns gleich ins Schiff gehen!“
McMusculous: „Später. Es regnet.“
Lasziva streicht über seinen Arm, leckt sich den Finger ab und grinst. „Nein. Aus Zucker bist du nicht.“
McMuscoulous: „Leck mich am Arsch.“ Und rauscht davon.

Ich weiß, ich weiß, auch diese Szene ist nicht elegant. Aber die Wasserangst-Info ist subtiler untergebracht als vorher! Sie ist kein hässlicher Informationsklotz mehr, sondern keimt schon am Beginn der Story, um natürlich zu wachsen, zu einem stattlichen Konflikt vielleicht: Die CoPilotin spürt schon ab der obigen Szene, dass sie da einen wunden Punkt getroffen hat, gibt aber keine Ruhe und fühlt McMusculous ständig auf den Zahn. Nach und nach findet sie heraus, dass er sich vor dem Wasser fürchtet, aber als er sie einmal fast verprügelt sieht sie ein, dass er nicht bereit ist darüber zu sprechen. Nicht ohne Nachhilfe zumindest.

Und schon haben wir einen fetten Fisch im Geschichtennetz: Vielleicht ist es die CoPilotin, die den Auftrag mit der Fischmenschenparade annimmt, sie möchte damit endlich ein Geständnis aus McMusculous herauskitzeln! Zwei Ideen, die erst nicht natürlich zusammenfinden wollten, haben das endlich geschafft, alles ist organisch aus der Motivation der Figuren entstanden! Wo vorher der Fischmenschenauftrag ein scharfer Grat im Storyaufbau war, ist er jetzt abgeschmirgelt worden! Nicht der Autor halst McMusculous diesen Auftrag auf, sondern seine CoPilotin, und die hat ab dieser ersten Szene einen Grund, ein Motiv.

Und das ist das unersetzliche am Geschichtennetz: Ideen wachsen zusammen, befruchten sich gegenseitig und erschaffen etwas, das mehr ist, als die Summe seiner Teile. Es ist natürlich die Frage, ob man als Autor diesen Weg gehen möchte, aber wer ohnehin zur Gattung der „Plotter“ zählt, sollte ihm eine Chance geben!

So. Zugegeben, das war viel für einen Blog-Eintrag, aber es hat mir keine Ruhe gelassen und musste raus. Es hat mich außerdem dazu gezwungen, mir endlich etwas klar zu machen, was ich schon so lange spüre, aber nicht benennen kann. Durch diesen Eintrag hat es Gestalt bekommen. Was für eine Erleichterung! Und vielleicht ist es dem / der einen oder anderen ja eine Hilfe - wie dämlich das herangezogene Beispiel auch sein mag

26.8.07 17:15





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